Kinetic Control

Hintergrund und Geschichte

Die Grundannahme von Kinetic Control ist, dass unkontrollierte oder ineffiziente Bewegungen ein zentraler Faktor für muskuloskelettale Beschwerden sind. Bewegungssteuerung kann durch Schmerzen, frühere Verletzungen, muskuläre Ungleichgewichte oder schlechte motorische Gewohnheiten negativ beeinflusst werden. Kinetic Control setzt genau hier an: nicht am Symptom allein, sondern an der Bewegungsqualität als Ursache und Lösungsansatz.

Comerford und Mottram haben dieses Konzept aus über 25 Jahren klinischer Arbeit und internationaler Lehre entwickelt und kontinuierlich weitergeführt. Sie waren mit ihren Ansätzen weltweit auf Kursen, in der Forschung und im klinischen Austausch präsent, was die international weitreichende Verbreitung erklärt.

Kinetic Control ist ein klinisches Bewegungskontroll- und Rehabilitation-Konzept, das darauf abzielt, unkontrollierte oder ineffiziente Bewegungen zu erkennen, zu klassifizieren und gezielt zu verbessern. Im Zentrum steht nicht nur die reine Schmerzreduktion, sondern das Verstehen, Bewerten und Retrainieren von Bewegungsmustern, die Schmerzen, Funktionsverlust oder wiederkehrende Beschwerden verursachen oder aufrechterhalten.

Die Methode wurde Mitte der 1990er-Jahre von Mark Comerford und Dr. Sarah Mottram entwickelt – zwei international anerkannten Physiotherapeuten und Lehrenden mit jahrzehntelanger klinischer Erfahrung. Gemeinsam haben sie ein systematisches Modell des klinischen Denkens aufgebaut, das Bewegungsanalyse, klinische Beurteilung und individuelles Retraining verbindet.

Das Standardwerk „Kinetic Control – The Management of Uncontrolled Movement“ dient als Referenztext für viele Kliniker weltweit und zeigt, wie man Bewegungsdysfunktionen systematisch erkennt und behandelt.

Warum ist Bewegungskontrolle für die Praxis relevant?

In der täglichen Praxis stehen Therapeut:innen oft vor ähnlichen Herausforderungen:

  • Patienten mit chronischen Schmerzen, die durch rein passive Therapien nicht dauerhaft besser werden.

  • Personen mit wiederkehrenden Beschwerden trotz Behandlung.

  • Individuen, bei denen Belastung, Haltung oder Alltagssituation Schmerzen triggern.

Hier kommt die Bewegungskontrolle ins Spiel. Wenn wir verstehen, wie ein Mensch tatsächlich bewegt – nicht nur wie er sollte – können wir:

✅ gezielt Ursachen von Schmerzen identifizieren
✅ funktionelle Bewegungsmuster verbessern
✅ Rezidive reduzieren
✅ patientenindividuelle Therapiepläne entwickeln

Gerade im muskuloskelettalen Bereich ist es bekannt, dass nicht nur Gewebeverletzungen, sondern Bewegungsausführung und -steuerung entscheidend sind für Schmerz und Funktion. Diese Perspektive ergänzt klassische Techniken optimal, indem sie aktive Kontrolle, funktionelle Integration und motorisches Lernen in den Mittelpunkt stellt.

Was ist Kinetic Control?

Wie sieht die Evidenzlage aus?

Bewegungskontrolle ist kein Trend und kein rein theoretisches Modell – sie ist wissenschaftlich gut untersucht. In den letzten zwei Jahrzehnten ist eine umfangreiche Forschung entstanden, die zeigt, dass veränderte oder unkontrollierte Bewegungsmuster eine zentrale Rolle bei muskuloskelettalen Beschwerden spielen.

Führende Forscher und Kliniker haben in zahlreichen Studien gezeigt, dass:

  • Menschen mit Rückenschmerzen, Nackenbeschwerden oder Extremitätenproblemen systematisch andere Bewegungsmuster zeigen als schmerzfreie Personen

  • diese Unterschiede klinisch messbar und reproduzierbar sind

  • gezieltes Training der Bewegungskontrolle Schmerzen reduziert, Funktion verbessert und Rückfälle verringert

Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen lumbopelviner Bewegungskontrolle und Rückenschmerzen, aber auch für Nacken, Schulter, Hüfte und Knie gibt es eine wachsende Evidenzbasis.

Kinetic Control baut genau auf diesen Erkenntnissen auf. Das System übersetzt die wissenschaftlichen Konzepte aus der Bewegungsforschung in ein klinisch anwendbares Modell, das dir hilft:

  • Bewegungsstörungen sicher zu erkennen

  • sie systematisch zu klassifizieren

  • und sie mit gezieltem Retraining zu korrigieren

    Kurz gesagt:
    Während die Forschung die Bedeutung von Bewegungskontrolle belegt, liefert Kinetic Control dir das praktische Werkzeug, um dieses Wissen im Therapiealltag umzusetzen

Warum ist Kinetic Control ein Vorreiter im Bereich Bewegungskontrolle?

Ganzheitlicher Ansatz: Statt Symptome zu behandeln, wird Bewegungsqualität als Schlüssel zur langfristigen Gesundheit verstanden.
Kombination von Theorie und Praxis: Das Konzept verbindet klinisches Reasoning, Diagnostik und individuelles Retraining systematisch.
Weltweite Anwendung: Kinetic Control wird international gelehrt – in mehr als 30 Ländern und sowohl in Präsenz als auch online.
Strukturierte Ausbildung: Der Weg zum „Kinetic Control Movement Therapist“ ist ein etabliertes Curriculum aus Modulen und Kursen, das praktische Fähigkeiten und theoretisches Wissen integriert.
Praxisrelevanz: Durch die Verbindung von Bewegungsanalyse und aktiver Therapie bietet Kinetic Control Werkzeuge, die in vielen klinischen Situationen sofort umsetzbar sind.